Vögel in St.Galler Rebbergen

12. Dezember 2007, Jonas Barandun

Rebberge gelten als Hotspots der Artenvielfalt und sind aufgrund ihrer klimatischen und strukturellen Besonderheiten geeignet für verschiedene seltene Tier- und Pflanzenarten. BirdLife St.Gallen hat sich mit einer Gruppe von engagierten Personen daran gemacht, ob St.Galler Rebberge für Vögel eine besondere Bedeutung haben. Nachdem 2006 Rebberge zwischen Walenstadt und Bad Ragaz systematisch auf Vorkommen von Vögeln untersucht wurden, sind im Frühling 2007 vier weitere Rebberge verteilt über den ganzen Kanton hinzu gekommen.

Im Jahr 2006 wurden auf 12 Flächen 56 Vogelarten, darunter 7 Prioritätsarten des Schweizer Artenförderungsprogrammes erfasst. 2007 waren es auf 15 Flächen 49 Arten, darunter 4 Prioritätsarten. 42 Arten wurden in beiden Jahren erfasst. Zu den Prioritätsarten gehören: Kuckuck (2006(1 Reviere)), Gartenrotschwanz (2006(1), 2007(2)), Rotmilan (2006(1)), Wendehals (2006 (3), 2007 (6)), Zaunammer (2006 (4), 2007 (14)) und Waldlaubsänger (2006 (3)), Turmfalke (2006 (2 Überflüge), 2007(1)). Bemerkenswert sind ausserdem Nachweise von Grünspecht, Schwarzspecht, Kleinspecht, Grauschnäpper, Neuntöter, Girlitz und Hänfling. Am häufigsten wurden Mönchsgrasmücke, Buchfink, Kohlmeise, Amsel, Zilpzalp, Rotkehlchen und Hausrotschwanz erfasst.

Die meisten Rebberge liegen unmittelbar neben Gehölzen oder Wäldern. Es ist daher nicht erstaunlich, dass der überwiegende Teil der Beobachtungen aus Gehölzen und Wäldern stammt. Eine Übersicht über die Häufigkeiten in Gehölzen, in Offenland und in Rebbergen, summiert über alle Flächen und beide Jahre bietet die Abbildung. Mehrere Arten nutzen Rebberge offenbar als Nahrungsgebiete. Bemerkenswert sind Beobachtungen der folgenden seltenen Arten: Hänfling, Neuntöter, Wendehals und Zaunammer. Girlitz, Neuntöter, Feldsperling und Wendehals wurden überwiegend in Rebbergen beobachtet.

Eine qualitative Übersicht zeigt, dass Rebberge nicht häufiger als Grünland aufgesucht werden. Rebberge werden folglich höchstens als Nahrungsflächen aufgesucht. In den Rebbergen befinden sich zwar recht häufig Kleinflächen mit Dauervegetation sowie Trockenmauern. Sträucher existieren hier aber kaum. Alle kartierten Rebberge weisen aber am Rand Hecken oder Gebüschgruppen und Bäume auf. Teilweise befinden sich auch Brombeerflächen unmittelbar neben den Rebbergen. Solche Flächen sind in der Regel für Vögel attraktiv.

Die meisten Rufstellen befanden sind im Bereich von Übergängen zwischen Wald und Offenland oder in durchmischtem Gelände mit Gehölzen. Siedlungen und Waldränder dürften somit den grössten Teil der kartierten Vogelreviere beherbergen. Generell weisen die Waldränder nur selten breitere Übergangszonen auf und werden überwiegend bis an den äussersten Stamm bewirtschaftet. Die kartierten Waldflächen sind überwiegend geschlossene Hochwälder. Entsprechend dominieren darin typische Waldbewohner.

Die Rebberge liessen aufgrund der vorhandenen Kleinstrukturen und der klimatisch günstigen Exposition die Anwesenheit verschiedener seltener Vogelarten erwarten. Das Ergebnis liegt daher unter den Erwartungen. Die Umgebung der Rebberge wird überwiegend intensiv landwirtschaftlich genutzt oder besteht aus geschlossenem Wald. Die Rebberge selbst sind relativ kleinflächig. Möglicherweise ist die Verbindung von Kleinflächigkeit und ungünstiger Umgebung die Ursache für den geringen Nutzungsgrad der Rebberge durch Vögel.

Jetzt geht es darum, Möglichkeiten zu suchen, um das potenzial der Rebberge für die Artenvielfalt zu steigern. Dazu soll in den nächsten Jahren der Kontakt zu Rebbauern gesucht werden.

Grafik: kartierte Vögel
Grafik der kartierten Vögel in den St.Galler Rebbergen 2007

 

Rebberg
Rebberge - Hotspots der Artenvielfalt

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